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Kultur Förderverein Gadmental
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Geschichte

Gadmen
Gadmen ... gadum
Name

Der Name Gadmen leitet sich vom althochdeutschen gadum ab (Stall, Scheune, kleines Haus) und wird 1382 zum ersten Mal historisch erwähnt als von dem buw imm Gadmen.
Gadmen war bis am 31. Dezember 2013 eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli und die östlichste Gemeinde des Kantons Bern in der Schweiz. Am 1. Januar 2014 fusionierte Gadmen mit Innertkirchen.

Bescheibung von Anne-Marie Dubler (schw. Historikerin)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Oberhasli. Die grosse Berggemeinde Gadmen (117 km2) im Einzugsgebiet des Gadmerwassers steigt vom Talboden (850-1250 m) bis auf 3500 m hinauf. Sie besteht aus den Bäuerten Nessental und Gadmen (1382 im Gadmen) und liegt an der Grenze zu den Kanton Obwalden, Nidwalden, Uri und Wallis. 1764 354 Einwohner.; 1850 739; 1900 672; 1950 485; 1960 510; 2000 272. Im Mittelalter teilte Gadmen die Geschicke der Reichsvogtei Hasli und kam mit ihr 1334 zu Bern.

Kirchlich gehörte Gadmen ursprünglich zur Pfarrei Meiringen, wurde 1713 Innertkirchen zugeteilt und 1816 selbstständige Kirchgemeinde. Die mittelalterliche Kapelle auf dem Bühl wurde 1722 zur heutigen Pfarrkirche erweitert.

Haupterwerb war bis ins 20. Jahrhundert die Alp- und Viehwirtschaft mit privaten Ganzjahresbetrieben in Talsiedlungen und genossenschaftlichen Alpweiden. Auf ihnen werden heute vor allem Rinder, Schafe und Ziegen gesömmert; auf Birchlaui, Wenden und der Steinalp bestehen moderne Alpkäsereien. Nebenerwerb floss aus dem Saumverkehr im Tal und über den Sustenpass ins Urnerland. Die Wälder, die mehrheitlich im Besitz der Bäuertgemeinde sind, bieten Schutz vor Lawinen; wegen der Steilheit der Hänge wurden in Gadmen und Obermaad Lawinenschutzbauten erstellt.

Im 19. Jahrhundert zwang die Armut viele Einwohner zur Auswanderung nach Nordamerika, obschon allmählich der alpine Tourismus einsetzte. Mit dem Bau der Sustenstrasse 1939-46 erfuhr dieser einen Aufschwung.

Historisches Gadmen
Autor Fred Jaggi

Zur ausgehenden Eiszeit waren es jungsteinzeitliche Jäger die über die riesigen Gletscher zu den ausapernden Gräten und Höhen zogen um dort Beute zu machen. Diese Jäger hinterliessen wenig Spuren. Später waren es Keltische Stämme, welche in unseren Regionen die Sommer verbrachten. Zu der Zeit war es im Sommer sehr warm, im Unterland entstanden riesige Seen und Sümpfe, gespiesen von den gewaltigen, rasch abschmelzenden Gletschern. Unzählige Insekten erschwerten das Leben. So zogen sie mit ihren Tieren in die Alpenregionen. Diese Nomaden hinterliessen viele Spuren. Auf allen unseren Alpen finden wir viele Wüstungen (alte kleine Hüttenplätze).

Wann eine eigentliche Besiedlung stattfand, ist nicht mehr eruierbar. Was für eine Bevölkerung die einwandernden Walser im 12ten Jahrhundert angetroffen haben, weiss man nicht. Sicher waren die Leute von Ornavasso dabei, deren Name bei späteren Handänderungen noch in Erscheinung treten. Die Ornavasso‘s, ein oberitalienisches Geschlecht, hatten in Naters einen Turm. Diese sandten Gefolgsleute, vielleicht auch Laibeigene in Aussenkolonien. Im „Walserblätz“, heute total bewaldet, mag eine Stelle sein, wo sich Einwanderer niedergelassen haben. Dieser befindet sich oberhalb der Nessentaley. Im Talgrund, hinter dem Grin befinden sich die Walisacherleni. Diese Drei Grundstücke mögen wohl das Pflanzland für die Leute oben im „Walserblätz“ gewesen sein.

Nun kommt die Zeit wo uns, vorerst zwar spärlich Schriftliches erhalten blieb. Die Zeit um 1300 – 1334 war einerseits geprägt von der harten Hand der Weissenburger, aber auch von dem sich rapid verschlechternden Klima (kleine Eiszeit).

Die beginnende kleine Eiszeit, mit einer merklichen Klimaverschlechterung im Mittelalter, hatte grosse Auswirkungen auf die Talbevölkerung. Bedingt durch die kleinen Gletscher, die schattseitig entstanden, gab es vorher nicht gekannte Grosslawinen. So zerstörte die Firschlachtlawine 1336 in Mühlestalden einen Grossteil der Häuser. Im folgenden Sommer wurde der gleiche Ort von einer grossen Schlammlawine heimgesucht. Diese Ereignisse kosteten 37 Menschen das Leben.

Grosse Unruhe brachten die Wirren um die Reformation mit sich. Unglücklicherweise ergab eine Abstimmung in der Landsgemeinde ein Ergebnis von 123 zu 126 Stimmen. Die Neugläubigen waren die „Weissen“, die „Schwarzen“ die Altgläubigen. Die Gräben zwischen den Gläubigen waren riesig. Altlandammann Hans Im Sand, als Wortführer der „Schwarzen“, wurde von der Berner Regierung in einem Schauprozess auf grausamste Weise hingerichtet und seine Familie des Landes verwiesen. Verschiedene Altgläubige wanderten aus, so die Jaggi’s im Lötschental, ehemals von Schattenhalb. Der reformierte Landammann, Augustin von Weissenfluh, war ein Gadmer.

Im Jahre 1669 wurde das Hasli von einer Pestwelle heimgesucht. Das Gadmental blieb verschont. Taleinwärts war der letzte Pesttote auf dem Stalden bei Wyler zu beklagen. Hier wurde, um dessen zu gedenken, die Jahrzahl 1669 in einen Stein geschlagen.

Anfangs des 18-ten Jahrhunderts waren es die Villmergerkriege die grosse Unruhen ins Tal brachten. Der Susten diente als Front und im Feldmoshubel war der bernische Vorposten positioniert. So war Ende des Jahrhunderts Napoleon mit seiner Expansionspolitik der epochemachende Politiker. In der Chronik des Johann von Weissenfluh ist zu lesen, wie ein Zeitzeuge dies erlebte. Er schrieb wie die Franzosen über den Susten zogen. Die Männer von Gadmen mussten die Geschütze und Munition über den Pass tragen. Als Gegenleistung offerierten der Französische General, sie dürfen zuschauen wie die Meienschanze gestürmt würde.

1810 beschloss die Berner Regierung den Bau einer Fahrstrasse über den Susten. Die Arbeiten wurden in den Jahren 1811 – 1816 ausgeführt.

Am 14. März 1834 beschloss der Grosse Rat die Aufhebung der Landschaft Hasli. Diese Landschaft wurde in die sechs Gemeinden Gadmen, Guttannen, Hasliberg, Innertkirchen, Meiringen und Schattenhalb aufgeteilt. Ein ausführlicher Ausscheidungsvertrag regelte die Zuständigkeiten zwischen den verschiedenen öffentlich rechtlichen Körperschaften. Wegunterhalt und Schulwesen war bis anhin Sache der Bäuertgemeinden. Die und einige andere Gepflogenheiten wurden neu geregelt. Es war eine Zeit des Umbruchs angebrochen.

Fred Jaggi, Gadmen
31.01.2017
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